Aysberg-Blog Weblog einer Internetagentur

Vier Online-Zeitungen und dreimal Code aus der Vergangenheit

Montag, 12. März 2007 von Jan Kurschewitz
Ein Kommentar

Wie erklärt man seinen Kunden, was „Webstandards“, „semantischer Code“ und „Barrierefreiheit“ sind? Und wie vermittelt man ihnen dann auch noch, dass das Ganze sinnvoll ist, auch wenn für die zukünftigen Besucher die Webseiten mit oder ohne „diesem Kram“ fast genau gleich aussehen werden? Und dass das Ganze nunmal etwas mehr kostet?

Regelmäßig verlieren wir (die Internetagentur Aysberg) Kunden an „andere Dienstleister“, weil wir angeblich zu teuer sind. Sehen wir uns dann ein paar Wochen später die Ergebnisse an, wissen wir auch, warum: Furchtbarer Quellcode, verschachtelte Tabellenlayouts, Vermischung von Inhalt und Design, unstrukturierte Inhalte, etc. Klar, dass sowas billiger ist.

Die Webkrauts haben in ihrem Blog gestern einen schönen Artikel über die vier kürzlich erfolgten Relaunches von Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Netzeitung und Focus geschrieben. Für Nicht-Webentwickler ist manches an dem Artikel sicherlich schwer verständlich, aber auch wenn der Artikel recht lang ist: Mindestens das Fazit lesen (das ich mir hier zu zitieren erlaube)!

Zitat aus dem Webkrauts-Beitrag

Viel Geld und viel Zeit wurde verbraucht, doch letztlich haben drei von vier Zeitungen versagt. […] Alle anderen sollten ihre Agenturen in Regress nehmen, denn einen solchen Mist sollte man im Jahr 2007 nicht mehr abliefern. Ich weiß, ich lehne mich damit sehr weit aus dem Fenster, aber es geht mir um Qualitätsstandards in unserer Branche. Überall werden diese als selbstverständlich angesehen, Unternehmen verpflichten sich zu Qualität. Im Netz scheint das in der Masse nicht zu gelten, selbst bei großen und renommierten Auftritten. Die Gründe können vielfältig sein. Zum einen sind die Auftraggeber selten vom Fach und wissen um die Möglichkeiten, können gut von schlecht unterscheiden. Zum anderen kann natürlich auch „Geiz ist geil“ zurückschlagen: wer die billigste Agentur haben will, kann auch billigen Schrott bekommen. Sollte die Agentur nicht billig sein, so ist es vielleicht deren Personalpolitik! Wenn man den Angestellten wenig bezahlt und keine Fortbildungen finanziert, dann kann man auch nicht ohne weiteres Qualität erwarten.

Danke, Jens!

Aber wie macht man seinen Kunden denn nun den Unterschied klar? Eine ganze Seite im Konzept, in denen die pratkischen Vorteile von Webstandards dargelegt werden, scheinet nicht zu wirken: Viele Kunden/Interessenten vergleichen anscheined nur die Zahl unter dem Strich im Angebot – und damit Äpfel mit Birnen.

Dem möchte ich einen schönen (nicht-technischen) Beitrag gegenüberstellen: Achim Schaffrinna schreibt in seinem Design-Tagebuch über die Optik der Focus-Online-Website. Man sieht im Vergleich der beiden Beiträge: Furchtbarer Quellcode kann trotz allem ein ansprechendes Webdesign bedeuten. Oder umgekehrt: Aus einer ansprechenden Webdesign-Vorlage kann man auch etwas technisch völlig Unzureichendes fabrizieren.

Autor-Icon Jan Kurschewitz | Datums-Icon Montag, 12. März 2007, 11:51 Uhr
Kategorie-Icon Webdesign, Webstandards
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Ein Verweis (Trackback) aus einem anderen Blog

  1. Autor-Icon Pingback von bwl zwei null » Der Blick hinter die Kulissen
    Datums-Icon 5. April 2007 um 12:41 Uhr

    […] habe ich im Aysberg Blog von Jan Kurschewitz einen Artikel mit bemerkenswertem Link gefunden: Er verweist auf die Webkrauts, […]

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