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Lagepläne im Internet: Fünf Tipps, wie Sie Abmahnungen vermeiden!

Montag, 4. Juni 2007 von Jan Kurschewitz
5 Kommentare

anfahrtsplaene.jpgDie Anfahrt zum Unternehmen durch einen aussagekräftigen Lageplan auf der eigenen Website erleichtern: Eine sinnvolle Sache, die jedoch für manchen in einer teuren Abmahnung mündet. Wieso? Leider ist nicht allen Websitebetreibern klar, dass das Wenigste, was man im Internet findet, jedermann zur freien Verfügung steht.

Urheberrecht für Kartenmaterial

„Das Urheberrecht schützt geistige und künstlerische Leistungen, z.B. Kompositionen, Gemälde, Skulpturen, Texte, Theaterinszenierungen, Fotografien, Filme, Rundfunksendungen, Musik‑ und Tonaufnahmen. Ein urheberrechtlicher Schutz ist nur dann möglich, wenn die geistige oder künstlerische Leistung eine angemessene Schöpfungshöhe aufweist, also vereinfacht ausgedrückt ‚kreativ‘ genug ist“ (schreibt Wikipedia).

In aller Regel sind Stadtpläne und auch Ausschnitte daraus urheberrechtlich geschützt, auch wenn sich mancher über die „künstlerische Leistung“ wundert. Wer dieses Material unbefugt auf seiner Website verwendet, verletzt die ausschließlichen Rechte des Urhebers zur Vervielfältigung und zur öffentlichen Zugänglichmachung. Dass dies entdeckt wird, ist nicht unwahrscheinlich, insbesondere, wenn als Dateiname gängige Bezeichnungen wie stadtplan.jpg, stadtkarte.jpg oder anfahrt.jpg verwendet werden, die sich leicht über Bildersuchmaschinen finden lassen.

In der Regel erhält der Verwender eine Abmahnung, in der er sich strafbewehrt verpflichten soll, künftig die Verwendung des Kartenausschnittes ohne Lizenz zu unterlassen. Um eine Wiederholungsgefahr auszuschließen, sind derartige Abmahnung oftmals mit knackigen Vertragsstrafen und möglicherweise auch rückwirkend fälligen Lizenzkosten verbunden. Nicht zu vergessen sind Schadenersatzansprüche und nicht unerhebliche Anwaltskosten. Alles in allem eine teure und nervenaufreibende Angelegenheit!

Die fünf Verbote

  1. Herunterladen von den Kartenbietern: Laden Sie keine Karten, Kartenausschnitte und sonstiges Kartenmaterial von Kartenverlagen, Routenplanern und Stadtplandiensten zur Verwendung auf Ihrer Website herunter. Auch nicht von entsprechenden CDs (auch wenn es dort bequeme Exportfunktionen gibt)!
  2. Herunterladen von Dritten: Nutzen Sie keine im Internet gefundenen Pläne und Karten, auch wenn Sie von Dritten stammen, die die Unbedenklichkeit betonen (Gemeinden). Oft wissen diese Nutzer selbst nicht über die genauen Nutzungs‑ und Weitergabebedingungen Bescheid.
  3. Nicht einscannen: Scannen Sie keine Stadtpläne und Karten zur Verwendung auf Ihrer Website ein, machen Sie keine Screenshots, fotografieren sie keine Karten ab. Der Kauf einer Karte schließt nur die Nutzung, nicht aber die Vervielfältigung ein.
  4. Nicht verlinken: Verlinken Sie nicht auf Grafikdateien auf fremden Servern oder binden diese in irgendeiner anderen Form in ihre Website ein (auch ein „distanzieren von verlinkten Websites“ und Ähnliches hilft nicht).
  5. Überarbeiten reicht nicht: Ein Überarbeiten fremder Karten ist nicht ausreichend, solange sich ein Hinweis auf die Originalpläne findet. Also reicht kein „Umfärben“ und darin Herummalen aus, um ein eigenes schöpferisches Werk zu erschaffen.

Ein Copyrighthinweis ist nach deutschem Recht nicht notwendig. Das oben Genannte bleibt also auch verboten, wenn Sie keinen derartigen Hinweis finden. Und alles Gesagte gilt für kommerzielle und private Websites gleichermaßen. Egal ob mit der Website Geld verdient wird oder nicht: Fremdes Kartenmaterial bleibt tabu!

Wenn Sie Ihre Website durch einen Dritten (Freund, Webdesigner, Agentur) erstellen lassen haben, sind Sie als Betreiber übrigens dennoch für den veröffentlichten Inhalt in vollem Umfang rechtlich verantwortlich!

Einen etwas älteren Artikel (Februar 2004) finden Sie auf Telepolis: „Ihr Weg zu uns…erer Abmahnung„. Und eine extrem ausführliche Beleuchtung des Themas bietet „Links and Law“ in „Der Stadtplan im Impressum – eine Abmahnungsfalle?

Was dürfen Sie?

  1. Link auf Kartenanbieter: Sie dürfen natürlich auf die Startseiten von Routenplanern und Kartendiensten verweisen und der Benutzer sucht sich selbst die gewünschte Karte.
  2. Link auf Karten bestimmter Anbieter: Bei Links auf genaue Kartenausschnitte ist Vorsicht angebracht, da es vor ein paar Jahren einen Anbieter gab, der explizit dazu ermuntert hat und nach einer Weile seine Nutzungsbedingungen änderte, was eine Abmahnwelle zur Folge hatte. Studieren Sie die Nutzungsbedingungen solcher Anbieter und prüfen Sie diese am besten regelmäßig!
  3. Lizenzvertrag abschließen: Sie können natürlich mit den Kartenverlagen Lizenzverträge abschließen. Wir haben mal stichpunktartig die Lizenzkosten recherchiert und glauben, dass sich Preise ab ca. 600 Euro aufwärts für kleine Firmen oder gar Privatpersonen nicht lohnt. Die Verwertungsgesellschaft für Kartenmaterial (ähnlich der GEMA für Musik) ist die GEKA. Über diese können Sie Verträge mit mehreren Kartenverlagen abschließen. Die GEKA ist es auch, die Detekteien beauftragt, Urheberrechtsverstöße zu ahnden.
  4. Karten selbst erstellen: Sie dürfen natürlich Anfahrtsskizzen und Lagepläne selbst erstellen oder durch unsere Agentur erstellen lassen. Dabei dürfen Sie sich selbstverständlich Anregungen im Internet holen. Darum wird es in unserem nächsten Blogbeitrag gehen.

Diese Information kann keine Rechtsberatung ersetzen. Bitte wenden Sie sich dazu bitte an einen Rechtsanwalt.

Der übernächste Beitrag in diesem Blog beschäftigt sich mit legalen Wegen zu einem professionellen Lageplan im Web.

Autor-Icon Jan Kurschewitz | Datums-Icon Montag, 4. Juni 2007, 11:36 Uhr
Kategorie-Icon Recht, Webdesign
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3 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Kommentar 1
    Autor-Icon Matthias
    Datums-Icon 4. Juni 2007 um 11:55 Uhr

    Bemerkenswert. In der Ausführlichkeit war mir das noch gar nicht bekannt. Die Brisanz wird spätestens dann aus dem Thema raus sein, wenn Google einen kostenlosen Navigator anbietet…

  2. Kommentar 2
    Autor-Icon Skulpturen
    Datums-Icon 3. Januar 2008 um 17:31 Uhr

    Guter Beitrag zu diesem Thema. Kenne selber einige Leute, die diese Abmahnwelle böse erwischt hat. Auf dieser Schiene arbeitet intensiv ein Anbieter eines großen Atlanten, sein Name klingt wie ein Greifvogel ohne das „e“ am Ende…

  3. Kommentar 3
    Autor-Icon Viktoria Maisner
    Datums-Icon 18. Oktober 2017 um 11:40 Uhr

    Hallo zusammen,
    herzlichen Dank für den spannenden und informativen Beitrag zum Thema Lageplan. Aus meiner Sicht ist der ein Lageplan besonders für Events von sehr großer Bedeutung. Man kann auf einen Blick sehen, wo sich was befindet. Für den Besucher ist die sehr wichtig und hilfreich.

2 Trackbacks (Verweise) aus anderen Blogs

  1. Autor-Icon Trackback von Aysberg-Blog
    Datums-Icon 29. Juni 2007 um 22:35 Uhr

    Legale Wege zu einem professionellen Lageplan…

    Im vorletzten Beitrag ging es um Abmahnungen wegen der Verwendung von Kartenmaterial aus dem Web. Für die Kosten einer strafbewehrten Abmahnung (die je nach Fall bei ca. 500 Euro beginnt) können wir Ihnen bereits einen sehr ansprechenden…

  2. Autor-Icon Pingback von Mahnungen wegen Landkarten
    Datums-Icon 18. Dezember 2009 um 17:46 Uhr

    […] Blog Aysberg – Lagepläne im Internet Herr Kurschewitz hat mir per Mail sehr weiter geholfen. Danke noch einmal. […]

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