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Die Homepage der Stadt Freising: Fehler im System

Donnerstag, 24. Juli 2008 von Jan Kurschewitz
6 Kommentare

Heute, drei Wochen nach dem verpatzten Relaunch von freising.de gereicht es endlich zu einer Meldung auf der Titelseite der Landkreisausgabe der Süddeutschen Zeitung (“Freisinger SZ)“. Vielleicht ist auch diese lange Nicht-zur-Kenntnisnahme ein Zeichen dafür, dass man „da draußen“ das Thema Internet immer noch nicht ernst nimmt.

Fehler im System

In dem Beitrag mit dem Titel „Fehler im System – Homepage der Stadtverwaltung mangelhaft“ heißt es:

„Grund für das Durcheinander ist die Einführung eines Content Management Systems“.

Das ist entweder eine Schutzbehauptung, um das Problem auf die Technik abzuwälzen, oder aber Ausdruck dafür, dass die Verantwortlichen tatsächlich nicht mit dem Internet zurecht kommen und noch nicht einmal „Web 1.0 sind“ .

Immerhin plädiert einer der neuen, jungen Stadträte (Tobias Eschenbecher) dafür, „uns einen Profi zu holen“, der eine grafische Überarbeitung vornehme. Doch unseres Erachtens wäre das Makulatur, denn das Webdesign ist nur die Fassade eines technisch und inhaltlich unausgereiften Stadt-Auftritts.

Was der Stadt Freising fehlt, ist eine grundlegende Beratung in Sachen Internet, ein ausgearbeitetes Konzept und massive technische Unterstützung.

Die Inhalte werden „zurückgeholt“

Weiter wird im Artikel Rupert Widmann, Leiter des Hauptamts, zitiert, der entsetzt gewesen sein will, dass die von langer Hand geplante Einführung des Redaktionssystem nicht funktionierte. Zitat aus dem SZ-Artikel:

„Die Umstellung, so sei versprochen worden, hätte lediglich 12 bis 24 Stunden in Anspruch nehmen sollen. ‚Faktisch‘, räumte Widman ein, habe es Wochen gedauert und die Technik sei immer noch damit beschäftigt, die Inhalte der Homepage „wieder zurückzuholen“. Weiterhin versicherte Widmann, dass an der Formatierung und grafischen Auflösung der Startseite gearbeitet werde. „

Selbst der Relaunch des von uns gerne stellvertretend genannten Metzgers wird auf einem parallelen System, versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit, fertig entwickelt und erst nach abschließenden Tests und Korrekturen darauf umgeschaltet. Interessant, dass „die Technik“ mit dem „Zurückholen“ der Inhalte beschäftigt sein soll, und nicht die EDV-Verantwortlichen der Stadt Freising.

Noch was zum Lachen

Ulrich Vogl (ÖDP) fordert die Verwaltung auf, „die Kompetenz im Stadtrat mit reinzunehmen“, schließlich seien mehrere Kollegen in der Programmierung fit.

Solche Worte aus dem Mund eines Diplom-Mathematikers können nur ironisch gemeint sein. Oder etwa nicht…? Werden demnächst die Stadträte ausrücken und das Freisinger Schlütergelände sanieren, wo doch jeder eine Schaufel im Schuppen stehen hat? Oder Stadträte die Kämmerei entlasten, weil doch der eine oder andere eine Finanzsoftware auf seinem heimischen Rechnern hat?

Autor-Icon Jan Kurschewitz | Datums-Icon Donnerstag, 24. Juli 2008, 21:09 Uhr
Kategorie-Icon Freising, Marketing, Unterhaltsames, Web 2.0, Webdesign
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6 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Kommentar 1
    Autor-Icon Stefan
    Datums-Icon 31. Juli 2008 um 07:21 Uhr

    Servus Jan! Nette Ironie, das im letzten Absatz. :) Ich habe diesen letzten Satz von Herrn Vogel auch gelesen, jedoch anders gedeutet. Du hast aber recht: er meinte das tatsächlich SO! Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass er Stadträte zum Programmieren dazu nehmen will…

    Aber mal im Ernst: will Aysberg wirklich diese Website übernehmen? Wollt ihr euch das wirklich irgendwann antun? Der Prophet im eigenen Lande… :(

  2. Kommentar 2
    Autor-Icon Jan Kurschewitz (Aysberg)
    Datums-Icon 31. Juli 2008 um 07:34 Uhr

    @Stefan: Seit wir vor Jahren erfahren haben, dass die Stadt an einem Relaunch arbeitet, haben wir immer wieder überlegt, ob wir so ein Projekt übernehmen wollten – wenn man denn an uns herantreten würde.

    Tatsächlich wollen wir eher nicht, da die Umsetzung wohl ziemlich nervenaufreibend wäre und angesichts der vielen Beteiligten nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen könnte. Mit der Stadt mal darüber zu sprechen würde jedoch nicht schaden.

    Dennoch überlegen wir (falls es die Zeit mal zulässt), eine „Studie“ zu verfassen, in der wir zeigen würden, was ein Konzept ist und wie Design, Technik und Inhalte eines Stadtportals professionell umgesetzt werden könnten.

    Nicht, dass es irgendwann heißt, in Freising gäbe es keine kompetente Agentur oder genauso schlimm: Dass die Welt über die Freisinger lacht, die klaglos so einen Internetauftritt hinnehmen.

    P.S.: Erst auf Deinen Kommentar hin verstehe ich die andere Leseart von Herrn Vogls Aussage: Dass einzelne Stadträte nicht selbst programmieren, sondern ein Auge auf das Projekt haben und im Problemfall gegensteuern könnten.

  3. Kommentar 3
    Autor-Icon Norman
    Datums-Icon 3. August 2008 um 10:52 Uhr

    Gibt’s tatsächlich noch, solche Meinungen…
    Schöne Ironie auf die Rückständigkeit, weil kein Zwang zum Wirtschaftlichwerden bei einigen Behörden.

  4. Kommentar 4
    Autor-Icon Roman
    Datums-Icon 17. Dezember 2008 um 19:17 Uhr

    Ja anscheinend gibt es schon noch solche Meinungen, ich glaub eher, dass das einfach nur eine Schutzbehauptung ist, mehr nicht.

  5. Kommentar 5
    Autor-Icon Ulrich Vogl
    Datums-Icon 22. Juli 2009 um 20:31 Uhr

    Interessant, zu lesen, was manche Zeitgenossen, speziell aus Ihrer Branche, in meine Aussagen hineindeuten. Aber glauben Sie mir, alle mir bekannten Stadtratsmitglieder, die brauchbare Kenntnisse in gutem Medien-Design haben (ich selbst gehöre nicht dazu), sind zeitlich ausreichend damit ausgelastet, Ihren Lebensunterhalt mit ihrer erlernten Arbeit zu verdienen. Meine Äußerungen, die Sie auch in den öffentlichen Protokollen nachlesen können, bezogen sich in der Tat auf die Mitarbeit in einem neu einzurichtenden Projekt-Steuerungs-Kreis. Dieser hat zwischenzeitlich zu arbeiten begonnen. Na denn, warten Sie das Ergebnis ab …

  6. Kommentar 6
    Autor-Icon Jan Kurschewitz
    Datums-Icon 22. Juli 2009 um 20:44 Uhr

    Danke Herr Vogl für Ihre Stellungnahme! Das mit dem „fit in der Programmierung“ hat sich ja oben (in den Kommentaren) bereits geklärt. Und klar sind wir gespannt auf was da kommt!

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