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Fragen Sie Ihren Arzt – aber nicht online

Montag, 19. März 2007 von Jan Kurschewitz
4 Kommentare

Eine amerikanische Studie offenbart die Diskrepanz zwischen Online-Tools, die sich Verbraucher/Patienten wünschen und dem, was Ärzte online anbieten. Auch wenn die Verhältnisse nicht direkt auf Deutschland übertragbar sind, deuten Sie doch in eine Richtung.

Internetnutzung und die persönliche Gesundheit

Frage: Wie stehen Sie zu Aussagen zu Ihrer Gesundheit und dem Internet?

Internetnutzung zur Gesundheitsvorsorge

Einer von drei Amerikanern sagt, das Internet habe seine Art, Gesundheitsvorsorge zu betreiben, verändert. Knapp jeder fünfte befragte Amerikanern behauptet dabei sogar, dass er Dank des Internets ein gesünderer Mensch geworden sei. Ein Schmunzeln kann ich mir da nicht verkneifen, wenn ich über die Übergewichts-Probleme in den USA lese. Immerhin bewerten die meisten Befragten den Nutzen des Internets positiv.

Nur erschreckende 27 Prozent der Befragten stimmen zu, dass medizinische Anbieter das Internet voll begriffen haben, um Gesundheitsinformationen und –Dienste zu liefern.

Quellen für Gesundheitsinformationen

Frage: Welche Quellen würden Sie am ehesten verwenden, um medizinische Informationen oder ärztlichen Rat betreffend Ihre Gesundheit zu finden?

Quellen für medizinische Informationen

  • Von den über 4.000 Befragten sagten 61 Prozent, ihre erste Anlaufstelle sei Ihr (Haus‑)arzt.
  • 44 Prozent verlassen sich auf medizinische Websites und 33 Prozent auf die Online-Suche.
  • Es folgen Freunde oder Angehörige (31%) sowie
  • Websites von Kliniken oder Universitäten (13%).
  • Dass in Deutschland 11 Prozent Fernsehprogramme zu Rate ziehen würden, kann ich mir dagegen nicht denken.

Das Internet wird unter den fünf häufigsten Informationsquellen immerhin dreimal genannt.

Internet-Tools

Für 57 % ist der Allgemeinarzt die erste Anlaufstelle, für 26 % ein Internist, es folgen weit abgeschlagen andere Fachärzte, alternative Mediziner, Heilpraktiker, etc.

Frage: Bietet Ihr Arzt derzeit irgendeine der folgenden Dienstleistungen?

Zusatzfrage: Angenommen, diese Dienste würden von Ihrem Arzt angeboten, welche Möglichkeiten wären Ihnen am wichtigsten?

Bevorzugter Anbieter für gesundheitliche Informationen

  • 62 % sagen, dass Ihr Arzt über keinerlei Internet-Tools verfügt, nicht einmal über eine Website mit Informationen zur Praxis, zum Arzt selbst oder über fachliche Dinge – geschweige denn die Möglichkeit einer Terminvereinbarung online.
  • Für 45 % wäre es wichtig, ihrem Arzt ein E-Mail schicken und eine Antwort darauf erhalten zu können, was aber nur von 11 % der Ärzte angeboten wird.
  • 33 % der Befragten wünschten sich, sie könnten einen Termin online vereinbaren, was aber nur 9 % der Ärzte/Praxen anbieten.
  • Ebenso würden sich 34 % der Befragten den Einblick in Labor‑ und andere Ergebnisse über eine sichere Website wünschen, was aber nur von 7 % angeboten wird.

Viele deutsche Ärzte-Websites erscheinen mir persönlich zwar altbacken, nicht aktualisiert und wenig informativ, doch wird der Prozentsatz von Ärzten, die überhaupt keine Homepage haben, deutlich unter den hier genannten 62 % liegen.

Wer sind die vertrauenswürdigen Quellen?

Frage: Von welcher Organisation würden Sie bevorzugt Onlineangebote für Ihre persönliche Gesundheitsvorsorge und Erhaltung Ihrer Gesundheit erhalten?

Die vertrauenswürdigen Quellen

  • Knapp die Hälfte der Befragten vertraut wieder den von ihrem Arzt zur Verfügung gestellten Möglichkeiten.
  • 25 Prozent zählen auf ein örtliches Krankenhaus,
  • 22 Prozent auf ihre Krankenkasse.
  • Nur magere 6 Prozent würden sich Internetanwendungen und Informationen durch Pharmafirmen wünschen.

Fazit

Achtung Arzt

Diese Umfrage zeigt, dass das Internet für viele ein integraler Bestandteil der Informationsrecherche geworden ist. Insbesondere auch, um ihre persönliche Gesundheit zu managen und zu verbessern. Seitens der Ärzte ist aber noch ein großer Schritt zu tun, um bessere Internet-Angebote zu schaffen.

Das größte Vertrauen wird dem Hausarzt entgegengebracht. Diese sollten die Chance nutzen, und mit ansprechenden, informativen Websites Patienten zu gewinnen und zu binden. Die Informationsgestaltung darf nicht den Pharmafirmen und dubiosen Internetforen mit medizinisch unhaltbaren Informationen überlassen werden.

Natürlich berücksichtigt die Studie nicht hiesige Verhältnisse (wo z.B. eine Beratung nur in Person und nicht telefonisch oder über das Internet erfolgen darf). Sie zeigt aber doch eine deutliche Tendenz.

Unsere Referenz: Dr. Struller, Freising

Die Frauenarztpraxis Dr. Struller in Freising ist Kunde unserer Internetagentur und verzeichnet seit dem Relaunch im April 2006 stetig steigende Zugriffe. Neben den grundlegenden Informationen über Sprechzeiten, etc. stellt sich das Team ausführlich mit professionellen Fotos vor (die meistbesuchte Rubrik) und informiert über die diversen Angebote (auch iGeL). Sehr gut laufen auch die Webseiten zur speziellen Teenagersprechstunde.

Doch nicht nur die Zugriffszahlen steigen seit dem Relaunch, sondern immer mehr Patienten entscheiden sich aufgrund des Internetauftritts für einen Besuch in der Praxis.

Ausblick

Verhältnismäßig einfach ließen sich jenseits einer Image-Website noch eine Online-Terminvergabe, Termin-Erinnerung per E-Mail oder SMS realisieren. Schwieriger wird es bei digitalen Patientenakten, wo ohnehin starke Vorbehalte der Patienten bezüglich der Datensicherheit existieren. Hier dürfte man nicht mit halbherzigen Lösungen sein Vertrauen als Arzt direkt wieder verspielen. Grundvoraussetzung für viele Benutzer und recht einfach zu realisieren sind jedoch informative Websites ihrer Arztpraxen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Internetauftritten von Ärzten, Praxen und Kliniken? Wie nutzen diese die Möglichkeiten des Mediums? Und wie ist die Sichtweise aus Sicht der Ärzte, die ja unter immer stärkerem wirtschaftlichen Druck stehen?

Die Studie wurde von dem US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Iluminas durchgeführt und von Cisco Systems gesponsort. Befragt wurden 4,105 Erwachsene im Januar und Februar 2007.

Autor-Icon Jan Kurschewitz | Datums-Icon Montag, 19. März 2007, 23:59 Uhr
Kategorie-Icon Allgemein
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4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Kommentar 1
    Autor-Icon Martin Winkler
    Datums-Icon 7. April 2007 um 21:21 Uhr

    In den USA sind aber auch Tools (z.B. als Symptomtracker, Quiz oder Questionaires) auch viel verbreiteter und es steckt (schon) eine ganz andere Marktmacht dahinter. In Deutschland kann man noch mit ganz kleinen Dingen den User erfreuen…. Noch….

  2. Kommentar 2
    Autor-Icon oli
    Datums-Icon 8. Mai 2007 um 22:37 Uhr

    bei uns gibt’s so was – http://www.arztbuchen.de

  3. Kommentar 3
    Autor-Icon praxishomepage
    Datums-Icon 10. Juli 2009 um 11:09 Uhr

    Vielen Dank für den sehr informativen Artikel.
    Ohne Zweifel wird das Internet zu einem der wichtigsten Medien in der Kommunikation mit den Patienten werden. Die elektronische Terminvergabe ist da sicher ein interessantes Angebot, genau wie Recallsysteme und Infomrationen zu IGeL.

  4. Kommentar 4
    Autor-Icon Gesundheitswelt
    Datums-Icon 14. August 2009 um 07:15 Uhr

    Zum Teil setzen ja bereits ein paar Praxen die elektronische Terminvergabe ein, aber im Gegensatz zu den USA ist es hier eben noch nicht so weit verbreitet.

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