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E-Mail-Disclaimer: Völliger Quatsch oder vielleicht doch sinnvoll?

Dienstag, 5. August 2008 von Jan Kurschewitz
29 Kommentare

Immer öfters findet man auch in E-Mails von kleinen Firmen oder sogar Privatpersonen so genannte E-Mail-Disclaimer.

Was ist ein Disclaimer (siehe auch Wikipedia)? Der Begriff Disclaimer stammt ursprünglich vom englischen to disclaim „abstreiten“, „in Abrede stellen“ ab. Im Internet wird er als Fachbegriff für einen Haftungsausschluss verwendet.

In diesen recht länglichen Hinweisen am E-Mail-Ende, wird man darauf hingewiesen, dass man den Inhalt der Nachricht nicht zur Kenntnis nehmen dürfe, wenn man nicht der beabsichtigte Empfänger sei; dass man das E-Mail in solch einem Falle sofort löschen müsse; dass man das E-Mail keinesfalls weiterleiten dürfe, etc.

E-Mail-Disclaimer im Detail betrachtet

Anklage wegen Missachtens von Disclaimern?Auch wenn Banken und Juristen sowas an ihre E-Mails hängen, muss da nicht wirklich was dran sein…

  • Ein Verbot, das Mail „nicht zur Kenntnis nehmen“ zu dürfen ist obsolet. Wenn man zum Disclaimer am E-Mail-Ende kommt, hat man das E-Mail bereits gelesen! Es soll aber bereits Hinweise am Beginn des Nachrichtentexts geben, die auf den eigentlichen Dislcaimer am E-Mail-Ende hinweisen!
  • „Wenn Sie nicht der Empfänger sind“ wird entkräftet, da man ja im Empfängerfeld des E-Mails steht – auch wenn der Absender in seinen Kontakten vielleicht um eine Zeile daneben geklickt hat und das E-Mail tatsächlich fehlgeleitet ist.
  • „Dieses E-Mail ist urheberrechtlich geschützt“ ist nonsens, da die Schöpfungshöhe im Rahmen des Urheberrechts meist nicht gegeben ist und nirgends geschrieben steht, dass ein urheberrechtlich geschütztes Werk nicht zur Kenntnis genommen werden dürfte.
  • Der juristische Wert eines nachgeschobenen Disclaimers ist fragwürdig. Er müsste „Vertragsbestandteil“ sein, also dem Empfänger bereits vor Zusenden des E-Mails zugestellt werden. Zudem wird so ein Vertragsbestandteil nicht einseitig (mit Zusenden des E-Mails) rechtskräftig.
  • Schwierig wird es, wenn ein derartiger Haftungsausschluss standardmäßig an jedem E-Mail hängt. Dann dürften wir hier in der Agentur viele E-Mails unserer Kunden gar nicht an einen Kollegen weiterleiten, der sich mit dem Anliegen des E-Mails beschäftigen soll.

Wie so oft wird auch im Falle der E-Mail-Disclaimer unreflektiert nachgeplappert, was man woanders gelesen hat. Nach dem Motto „sicher ist sicher“ oder „wirkt professionell, so was Kleingedrucktes untendran“.

Noch zu verzeihen wäre ein Hinweis in der Art:

„Wenn Sie keine Ahnung haben, worum es hier geht und Sie womöglich nicht der beabsichtigte Empfänger sind, ist was schiefgelaufen. Bitte weisen Sie uns kurz auf unseren Fehler hin“.

Im günstigsten Fall dienen E-Mail-Disclaimer der Abschreckung des Empfängers und der vermeintlichen Absicherung des Absenders. Im ungünstigsten Fall machen sie den Absender lächerlich.

Weitere Quellen

  • Unter „angstklauseln.de“ findet sich eine Sammlung von über hundert solcher Floskeln und ein paar Erklärungen zu dem Phänomen der E-Mail-Disclaimer.
  • Die Computerfachzeitschrift c’t hat im Heft 10/2008 unter „Verraten und verkauft? Fehlgeleitete E-Mail und Geheimhaltung“ sehr fundiert über das Thema berichtet.
  • Die Fachzeitschrift „Kommunikation und Recht“ hat in Ausgabe 5/2007 über „(Un‑)Sinn von E-Mail-Disclaimern wohl eingehend berichtet. Der Beitrag ist aber nicht online verfügbar und uns nicht bekannt.

Eindruck machen mit E-Mail-Disclaimern

Ein besonders schönes Exemplare möchten wir hier aber noch zur Schau stellen (via angstklauseln.de). Damit können Sie bestimmt Eindruck schinden – vor allem, wenn Sie die Übersetzung weglassen.

Si forte in alienas manus oberraverit hec peregrina epistola incertis ventis dimissa, sed Deo commendata, precamur ut ei reddatur cui soli destinata, nec preripiat quisquam non sibi parata.

Translation: If by chance this wandering epistle, sent forth to the uncertain winds but commended to God, wanders into alien hands, I beg that it be returned to her to whom alone it was sent, nor should anyone steal things not written for him.

From: The prologue to the Liber Confortatorius of Goscelin of St. Bertin (born between 1030 and 1040).

Autor-Icon Jan Kurschewitz | Datums-Icon Dienstag, 5. August 2008, 9:03 Uhr
Kategorie-Icon Recht
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29 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Kommentar 1
    Autor-Icon Urheber
    Datums-Icon 5. September 2008 um 09:26 Uhr

    Für kleine Unternehmen vielleicht sinnvoll? :(

  2. Kommentar 2
    Autor-Icon jingles-salzburg
    Datums-Icon 5. Juni 2009 um 21:04 Uhr

    Gibt es schon Gerichtsurteile zu diesem Thema?

  3. Kommentar 3
    Autor-Icon Susanne Schleckstengel
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 01:42 Uhr

    Das Mehl? Wie lange es wohl noch dieser Art der Orthographie Unmächtigen erlaubt sein mag, im Netz der Netze zu brabbeln? Wer weiß das schon…

  4. Kommentar 4
    Autor-Icon roots
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 10:42 Uhr

    zu „Die Fachzeitschrift „Kommunikation und Recht“ hat … und uns nicht bekannt.“

    Der Link dazu => http://www.kommunikationundrecht.de/archiv/pages/show.php?timer=1261906564&deph=0&id=58476&currPage=1

    Anmerkung: Man muss aber registriert sein, um den Beitrag von Rechtsanwalt Kyrill Makoski lesen zu können.

  5. Kommentar 5
    Autor-Icon Thomas
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 11:59 Uhr

    @Susanne Schleckstengel: Im Englischen gibt es kein der/die/das. Dinge sind grundsätzlich sächlich: „The email.. it“. Also entspricht es durchaus der Logik, dieses englische Wort mit „das“ anzuführen. Dass man es üblicherweise nicht tut, deutet natürlich keineswegs darauf hin, ob es falsch oder richtig ist.

  6. Kommentar 6
    Autor-Icon Paul
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 16:10 Uhr

    @Susanne Schleckstengel:
    Mail [:], die; –, –s, auch (bes. südd., österr., schweiz.) das; –s, –s (kurz für E-Mail)
    aus: Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl., 2006.

  7. Kommentar 7
    Autor-Icon bli
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 17:44 Uhr

    @Thomas:
    Das Computer, das Software, das Cursor, das Harddisk? Manchmal ist das Genus der Herkunftsprache üblich, manchmal wird jenes ähnlich klingender deutscher Wörter verwendet, oder es ist ganz anders. Es gibt keine Regel und schon gar keine Logik.

    @Paul:
    Meiner Erfahrung nach hört man „das E-Mail“ eher von Leuten, die das Internet auch ausdrucken.

  8. Kommentar 8
    Autor-Icon Thomas
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 18:14 Uhr

    @bli: >Das Computer, das Software, das Cursor, das Harddisk?
    der Computer/der Rechner
    die Software/die Weichware
    der Cursor/der Zeiger
    die Harddisk/die Festplatte
    ABER: die Email/der E-Brief/das E-Telegramm?
    Der oder das Email ist sehr viel logischer als „die“, es zeugt sogar von besserer Bildung. Also gibt es keinen Grund, sich darüber lustig zu machen, es ist eher arm.

  9. Kommentar 9
    Autor-Icon Thomas
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 18:16 Uhr

    Die Email als Synonym für die E-Nachricht oder die E-Postsendung wäre auch ok, aber das ist wirklich willkürlich. :-)

  10. Kommentar 10
    Autor-Icon Thomas
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 18:21 Uhr

    Und um etwas zum Thema zu schreiben: Ich finde diese Disclaimer vor allem auf Webseiten total affig. Besonders diese „Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat.“, weil sie keinerlei Rechtswirksamkeit hat und sogar eher das Gegenteil bewirkt. Wer solche Disclaimer auf seine Seite setzt, der gibt zu, dass er sich darüber im Klaren ist, bei den verlinkten Seiten könne es sich um fragwürdige Seiten handeln.

  11. Kommentar 11
    Autor-Icon Tsu Spade
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 18:32 Uhr

    zum email artikel: ich behaupte, „die Email“ kommt von „die E-Post“

  12. Kommentar 12
    Autor-Icon cates
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 20:45 Uhr

    ….die Übersetzung der Übersetzung – ist total einleuchtend, klar und plausibel….

  13. Kommentar 13
    Autor-Icon Jan Kurschewitz
    Datums-Icon 27. Dezember 2009 um 21:36 Uhr

    Ich finde es ja schön, wenn dieser Blogbeitrag nach über einem Jahr plötzlich so viel Beachtung findet. Noch schöner wäre es aber, wenn mehr zum Themal als zur Rechtschreibung kommentiert würde.

    Wobei ich vielleicht anmerken darf, dass ich meine ersten Mails 1995 geschrieben habe und es da überwiegend „Das E-Mail“ war. Und ich ansonsten sehr viel Wert auf Orthographie lege. Aber auch das: offtopic.

  14. Kommentar 14
    Autor-Icon Mike
    Datums-Icon 28. Dezember 2009 um 00:06 Uhr

    FYI:

    http://www.heise.de/ix/meldung/Disclaimer-Bizarre-Stilblueten-892359.html

    Vermutlich der Grund, warum „dieser Blogbeitrag nach über einem Jahr plötzlich so viel Beachtung findet“ ;)

  15. Kommentar 15
    Autor-Icon Balu
    Datums-Icon 28. Dezember 2009 um 07:16 Uhr

    Es heißt „das Email“ und „die E-Mail“. Das sind grundverschiedene Dinge :)

  16. Kommentar 16
    Autor-Icon Jan Kurschewitz
    Datums-Icon 28. Dezember 2009 um 12:31 Uhr

    Danke Mike (14) für die Aufklärung, dass heise auf dieses Blog verweist. Passend zum Thema möchte ich mich jetzt distanzieren, freikaufen und disclaimen, indem ich darauf hinweise, dass die Übersetzung des zitierten lateinischen Disclaimers von angstklauseln.de stammt (Disclaimer Nr. 42).

  17. Kommentar 17
    Autor-Icon Marcel
    Datums-Icon 28. Dezember 2009 um 14:38 Uhr

    Mail heißt übersetzt Post(weshalb die Daily Mail auch nicht „Der tägliche Brief“ ist), deshalb wäre die Mail schon logischer. Brief wäre übrigens Letter und ein Brief ist meiner Meinung nach immer noch das, was man in den Papierumschlag tut.

  18. Kommentar 18
    Autor-Icon Boy
    Datums-Icon 28. Dezember 2009 um 18:58 Uhr

    @ Thomas: ‚Im Englischen gibt es kein der/die/das…‘ Das stimmt nicht. Beispiel: the vessel (Schiff) ist weiblich (she), oder sächlich (Gefäß) oder männlich (Behälter).
    Die E-Mail stammt von „Nachricht“ bzw. „Post“ (siehe AOL „Sie haben Post“). Laut aktuellem Wahrig/Duden nach Rechtschreibreform ist sie weiblich.
    Das Email (die Emaille) ist ein Schmucküberzug auf Metallgegenständen (Kochtöpfe z. B.).
    Disclaimer sind m. E. ansonsten was für Leute, die sich wichtig machen wollen, aber keine wichtigen Dinge mitzuteilen haben…
    Boy

  19. Kommentar 19
    Autor-Icon Daforce
    Datums-Icon 29. Dezember 2009 um 09:08 Uhr

    Wie schön, da bin ich doch tatsächlich wieder einmal auf eine Trollparty gestoßen. Immer schön am eigentlichen Thema vorbei. Man sollte ja auch wirklich keine Gelegenheit auslassen, den Oberlehrer zu geben.

    Bleibt mir nur eins zu sagen:

    TROLLE ALLE LÄNDER ERWACHET, IHR HABT EINE NEUE HEIMAT!!

    Es ist nur sehr schade für den Betreiber dieses wirklich sehr informativen und interessanten Blogs, dass er anscheinend zum Trollmagneten geworden ist.

    Herr Kurschewitz tragen Sie es mit Fassung, so etwas geht auch wieder vorbei.

    MfG
    DaForce

  20. Kommentar 20
    Autor-Icon Criticus Pulcher
    Datums-Icon 29. Dezember 2009 um 23:05 Uhr

    DAS Mail? Österreicher? Die sagen auch das Laptop und das Cola. Und SIND im Biergarten gesessen bis die Rettung sie ins Spital gebracht hat.

  21. Kommentar 21
    Autor-Icon Prekarius
    Datums-Icon 29. Dezember 2009 um 23:08 Uhr

    E-Mail kann man nur so schreiben. Nicht email und nicht Email und Emaille.

  22. Kommentar 22
    Autor-Icon Caesar mortus est
    Datums-Icon 30. Dezember 2009 um 10:09 Uhr

    Wäre jemand in der Lage das Latein noch ins Deutsche zu übersezten, oder will hier jemand nur Eindruck schinden?

  23. Kommentar 23
    Autor-Icon iorso
    Datums-Icon 30. Dezember 2009 um 12:59 Uhr

    ist eigentlich kein (Alt) Latein (eher ein Mischmasch)
    Übersetzungsversuch:
    „Wenn zufällig dieses Schreiben aus der Ferne –bei unsicherem Winde abgeschickt, aber Gott anvertraut – sich in fremde Hände verirrt haben sollte, bitten wir, dass es dem zurückgegeben werde, für den es allein bestimmt war, und dass nicht irgendjemand es vorher an sich reisst, obwohl es eigentlich nicht für ihn gedacht war.“

  24. Kommentar 24
    Autor-Icon Freetagger
    Datums-Icon 30. Dezember 2009 um 13:07 Uhr

    Vielleicht sollte man einen Disclaimer drunter schreiben so nach dem Motto “ Wer das hier folgende ließt ist doof….“ … „und wer das hier liest ist ebenfalls doof-nicht lesen absolut Geheim und wenn Sie es trotzdem lesen, dann müssen Sie es sofort wieder vergessen…“

    Sollte es dann ein abmahnwütiger Zeitgenosse nicht tun, dann kann man ihn ebenfalls abmahnen lassen, weil er die Geheimhaltungserklärung verletzt hat…. typisch Juristen.

  25. Kommentar 25
    Autor-Icon Caesar mortus est
    Datums-Icon 30. Dezember 2009 um 13:09 Uhr

    Zack, das verstehe jetzt auch ich! Danke iorso! Und wie ich finde klingt es auf deutsch auch nicht weniger poetisch. :-)

  26. Kommentar 26
    Autor-Icon Sünnet Dügün
    Datums-Icon 28. Mai 2010 um 11:31 Uhr

    Hallo,

    dank neuer Gesetze ist wohl der Artikel mit Vorsicht zu geniesen.

    bis dann

  27. Kommentar 27
    Autor-Icon franc
    Datums-Icon 29. Juli 2010 um 10:18 Uhr

    Welche „neuen Gesetze“ meinst du wohl?

  28. Kommentar 28
    Autor-Icon Jan Kurschewitz
    Datums-Icon 10. Januar 2011 um 12:18 Uhr

    @Sünnet (Nr. 26): Mich würde auch interessieren, welche neuen Gesetze Du meinst? Bitte poste doch einen Link!

  29. Kommentar 29
    Autor-Icon Ozman
    Datums-Icon 22. April 2012 um 05:06 Uhr

    Die Begriffleichkeit „die Email“ zeugt in keister Weise von zu viel oder wenig Bildung – ist lediglich einem angemessenen Sprachgefühl geschuldet. Fälschlicherweise anzunehmen „die E-Mail“ wäre in Anbetracht der verbleibenden bestimmten Artikel: „der“ und „das“ die unzutreffendste Wahl – da vermeintlich richtigere Ableitung von E-Brief etc. zutreffender seien – schießen völlig am Ziel vorbei, da diese, „Ihrer“ Bildung entstammenden Logik, wenig mit Sprache zu tun hat, die ein aktives Mittel ist! Das was geschrieben steht, ist automatisch „richtig“- wie falsch es auch sein mag. Bildung ist gut, tut auch Ihnen gut. L2B.

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