Dieser Tage (Anfang Juli 08) wagt sich die Stadt Freising an den längst überfälligen Relaunch ihrer Website. Leider legt sie aber keinen sauberen Start hin, sondern schaltet erst einmal ein zweifelhaftes Gerüst ohne Inhalte frei. Was bisher auf freising.de zu sehen ist, treibt uns die Tränen in die Augen…

Screenshot: Startseite von freising.de am 1. Juli 2008
Die Startseite
Die Homepage ist nicht mediengerecht. Sie sollte als erste Seite nicht nur optisch etwas hermachen, sondern auch inhaltlich überzeugen: Sämtliche Bilder wirken unsauber und der Informationsgehalt ist gleich Null: Zu sehen ist eine große, gelayoutete (und viel zu stark komprimierte) Grafik, in der die vier Rubriken und „Aktuelles“ anklickbar sind.
Die Struktur
Immerhin die Navigation könnte zukünftig einfacher als bisher werden, da es nur noch vier Bereiche gibt: „Politik & Verwaltung“, „Kultur & Tourismus“, „Wohnen & Leben“ und „Wirtschaft & Technologie“.
Eine an sich gute Idee ist die farbliche Kodierung der Rubriken in den Farben des Corporate Designs. Sobald die Inhalte dann mal eingetroffen sind, sollte man sich also zurechtfinden.
Das Webdesign
Das Design ist nun zentriert und passt auf 1024 Pixel. Das bereits in Flyern und Veranstaltungsheften umgesetzte Corporate Design der Stadt Freising findet sich nun auch im Internet wieder: Freisinger Logo, charakteristische Schrift und Farbwelt.
Das Freisinger Wappen auf der Startseite wirft seinen Schlagschatten – der eher einer Schmutzfahne ähnelt – nach links oben.
Das Logo der Stadt Freising ist pixelig und unscharf. Auf den Folgeseiten wirkt das Logo zudem angenagt und hat einen zu großen und starken Schlagschatten.
Sämtliches Bildmaterial ist generell – aber insbesondere auf der Startseite – äußerst schlecht komprimiert, was sich überall in Form von „Schmutzrändern“ bemerkbar macht.
Screenshot: Noch leere Detailseite des Internetauftritts der Stadt Freising 2008
Ein trister, grauer Hintergrund ergänzt durch die gedeckten Farben des Corporate Design strahlt keinerlei Frische aus. Die Klammer aus Kopfzeile, Navigation und Fußzeile wirkt uninspiriert und erinnert stark an den alten Auftritt. Die Navigationspunke in die vier Hauptrubriken haben keinerlei Kontrast zum Untergrund und die Unterpunkte bestehen aus gefetteten weißen Wörtern, die beengt in ihrer schmalen Seitenleiste stehen, aktive Navigationspunkte werden optisch nicht hervorgehoben. Die oben horizontal verlaufende Fotoleiste ist eine schlechte, monochrome Intonierung der alten Fotoleiste ohne Pfiff. Ein modernes Webdesign sieht anders aus.
Das Layout der Seiten ist fest auf 980×580 Pixel festgesetzt. Die Breite ist ok, doch eine feste Höhe vorzugeben ist ein Anachronismus. Statt also die Inhalte in der ganzen verfügbaren Höhe darzustellen und bei langen Seiten die ganze Seite zu scrollen, spielt sich sämtlicher Content auf freising.de in einem winzigen Bereich des Bildschirms ab (im Screenshot die hellgraue Fläche). Zudem klebt die klobige Website auf großen Bildschirmen lustlos am oberen Browser-Rand.
Die Anmutung wird einer jungen, dynamischen gastlichen Stadt (Slogan Freisings) nicht gerecht. Im Webdesign sehen wir keinerlei optische Highlights, sondern nett ausgedrückt ein funktionales Websitegerüst im Stil der 90er-Jahre. Kein Pfiff, kein Wohlfühlen, keine Begeisterung. Eine Website weit unter Durchschnitt.
HTML und CSS
Die Umsetzung der Freisinger Website mittels HTML (Quellcode) und Stylesheets (Formatierungsangaben) ist zwar ein Fortschritt gegenüber dem antiquierten Tabellenlayout der bisherigen Website, doch die Webmaster kommen über die Ansätze nicht hinaus.
Die Startseite, die nur ein großes Bild und eine Fußzeile enthält, liefert beim Validieren (Überprüfen auf standardkonforme HTML-Umsetzung) schon 10 Warnungen, die noch leeren Detailseiten gar über 80 Warnungen. Hier hat jemand unsauber kodiert und viele Fehler gemacht.
HTML sollte heutzutage der semantischen Auszeichnung der Inhalte dienen: Vereinfacht gesagt stehen zuoberst also z.B. Logo und Navigation, darunter eine Hauptüberschrift gemäß dem Inhalt der Seite und darunter ein logisch gegliederter Text (Absätze, Listen, Zwischenüberschriften) mit abschließender Fußzeile. Sämtliche Formatierungen sollten über externe Formatvorlagen (Stylesheets) erfolgen, was bei freising.de nicht konsequent erfolgt.
Stylesheets (Cascading Style Sheets, CSS) übernehmen die Formatierung und das Layouten der ansonsten „nackten“ HTML-Seiten. So realisiert man mehrspaltigen Aufbauten, formatiert Navigationen, Überschriften und Texte und fügt die „dekorativen Elemente“ einer Webseite ein. Diese Stylesheets sind in der Zusammenarbeit mit dem HTML-Code auf dem Freisinger Internetauftritt ebenso schlecht umgesetzt.
Inhalte
Sämtliche Inhalte wurden von den Freisinger Webmastern erst einmal abgeschaltet. Ruft man Links von anderen Websites auf, die auf freising.de verlinken, erhält man eine Fehlermeldung. Es gibt keine Redirects (Weiterleitungen) auf die entsprechenden neuen Seiten und so wird vermutlich auch in Zukunft so mancher Verweis von anderen Webseiten auf freising.de nur eine „nicht-gefunden“-Fehlermeldung erzeugen . Für das Informationsangebot einer >40.000-Einwohner-Stadt eine ziemliche Katastrophe.
Operieren durch’s Schlüsselloch: Es zeigt sich, dass die Entwickler der Website das überholte Prinzip der Schlüssellochnavigation bevorzugen: Anstatt den ganzen Bildschirm für die Darstellung von Inhalten zu nutzen und bei langen Inhalten den gesamten Bildschirminhalt nach unten zu scrollen, spielt sich das ganze in dem kleinen Inhaltsbereich von 650×455 Pixeln ab. Das bedeutet, dass man mitten im Bild einen Scrollbalken hat (rechts vom hellgrauen Inhaltsbereich), und man die Inhalte wie durch ein Schlüsselloch hindurch lesen muss.
Screenshot: Die Höhe der Webseiten ist fest, gescrollt wird nur der Inhaltsbereich (Mitte)
Die Inhalte kommen! Offensichtlich wird heute (2.7.08) intensiv an der Website gearbeitet. Der Hinweis, dass das „Informationsangebot der Stadt Freising in Kürze wieder zur Verfügung steht“, wird nun durch die Meldung ersetzt, dass die „Seite/Funktion vorübergehend nicht zur Verfügung steht“. Ob das auf das eingeforderte Verständnis bei den Benutzern stößt?
Während dieser Blogbeitrag entsteht, tröpfeln die weiteren Inhalte ein. Wohlgemerkt eins zu eins herauskopiert aus dem alten Auftritt inklusive altertümlichen Layout und allen Unzulänglichkeitenin Darstellung und Code. Das ist nicht nur optisch eine Katastrophe, sondern auch inhaltlich, weil man wieder zu keiner sauberen Struktur und mediengerechten, informativen Inhalten kommt.
Umsetzung
Dass man eine Website nicht im laufenden Betrieb umbauen sollte, habe ich bereits zu Beginn geschrieben. Wie lange es noch dauern wird, bis sämtliche Inhalte eingepflegt sind und diese im neuen Layout formatiert sind (sofern das überhaupt gemacht wird), wird sich zeigen.
Anstatt die Website auf einem separaten Server fertigzustellen und dann durchzustarten, findet sich vorerst also nur das halbgare Gerüst einer Website ohne Inhalte. Ist das schon für den Webauftritt eines – sagen wir – Metzgers peinlich, ist es für die Stadt Freising ein Image‑GAU.
Zugänglichkeit/Barrierefreiheit
Zwar ist eine barrierefreie Umsetzung bisher nur für Einrichtungen des Bundes gesetzlich Pflicht, doch immerhin orientieren sich die meisten Länder, Städte und Gemeinden inzwischen an diesen Richtlinien – bis auf Freising.
Dass eine öffentliche Einrichtung auch im Jahre 2008 nicht imstande ist, ihre Webseiten für alle Benutzer und alle technischen Geräte zugänglich zu machen, ist traurig.
Zu einer zugänglichen, barrierearmen Website gehört mindestens ein logischer (semantischer) Seitenaufbau, sowie die klare Trennung von Inhalten (HTML) und Layout (CSS). Zudem sollte man ein klares, modernes Layout mit guten Kontrasten und eine logische Benutzerführung bieten.
Zugängliche Websites ermöglichen nicht nur eingeschränkten Personen den Zugriff, sondern auch Suchmaschinen, mobilen Computern und weiteren Anwendungen. Es erleichtert auch das gerne vergessene, banale Ausdrucken der Seiten.
Unser Fazit zur neuen Website der Stadt Freising
Als eine der wirtschaftsstärksten Regionen in ganz Deutschland hätte Freising schon längst einen besseren Internetauftritt verdient. Seit Jahren sollte etwas passieren, wir haben uns als Freisinger Internetagentur mehrfach angeboten, immer wieder gehört, dass intern daran gearbeitet wird und nun bekommen wir ein Redesign zu sehen, wie wir es immer gefürchtet haben.
Leider ist nicht zu erkennen, wer für das Redesign verantwortlich ist. Zu vermuten ist, dass es intern von Mitarbeitern der Stadt selbst umgesetzt wurde. Warum die Stadt Freising das anspruchsvolle Thema Internet selbst realisiert, erschließt sich uns leider nicht. Eine Website ist so viel mehr als ein Spielzeug.

Jan Kurschewitz |
Dienstag, 1. Juli 2008, 15:52 Uhr
Umso peinlicher ist es, dass die Umstellung genau in der Anlaufphase zum Veranstaltungstag „München zu Gast in Freising“ am 06.07.2008 stattfand.
Wenn man bedenkt, dass sich bestimmt einige Münchner im Vorfeld über Freising informieren wollten und dann auf den Seiten nichts fanden, kann man sich vorstellen, was sich diese vom Besuchstag in der Domstadt erwartet hatten.
Sofern von den virtuellen Besuchern dann überhaupt jemand physisch an jenem Tag anwesend war, wurden sie wenigstens positiv überrascht.
Du sprichst mir aus der Seele. Erst heute, acht Tage nach Beginn des stümperhaften Relaunchs sind die Inhalte vollständig eingepflegt – über die Form muss nichts weiter gesagt werden…
Am schönsten finde ich ja, dass nahezu der gesamte Text in „bold“ gesetzt ist. Klar, ist ja auch alles wichtig! Da muss man ja alles fett setzen. ;)
Meine volle Zustimmung zur Kritik an der neuen Homepage. Es ist überhaupt kein Gesamtkonzept erkennbar. Design und Umsetzung sind absolut amateurhaft. Selbst 6 Wochen nach dem Relaunch gibt es noch unzählige tote Links. Gegenüber XSS-Angriffen scheint die neue Homepage ebenfalls anfällig zu sein, z.B.:
http://www.freising.de/index.php?bereich=progs&page=sitzung/list.php&…
Offensichtlich wollte die Stadt Freising die alte Website ein bisschen verbessern, ohne wirklich ein Budget bereitzustellen. Da hätte man aber besser noch ein paar Jahre sparen sollen, um es dann professionell machen zu lassen. Echt peinlich.
[Anmerkung Aysberg: Cross-Site Scripting (XSS) tritt dann auf, wenn eine Webanwendung Daten annimmt, die von einem Nutzer stammen und diese Daten dann an einen Browser weitersendet, ohne den Inhalt zu überprüfen. Damit ist es einem Angreifer möglich auch Skripte indirekt an den Browser des Opfers zu senden und damit Schadcode auf der Seite des Klienten auszuführen. Ein klassisches Beispiel für Cross-Site Scripting ist die Übergabe von Parametern an ein serverseitiges Skript, das eine dynamische Webseite erzeugt. Im obigen Beispiel verursacht eingeschleuster Script-Code lediglich eine JavaScript-Warnung. ]
Auch von meiner Seite Zustimmung. Noch immer gibt es jede Menge toter Links auf der Seite. Vom Webdesign zwar ein Fortschritt zur alten Page aber immer noch weit entfernt von State of the Art.
Man kann nur hoffen, dass das Ganze wenig Geld gekostet hat!
Na bzgl. XSS ist ja dann der Aysbergblog ebenfalls gut dabei, so wie auch Google und MyTube …. Willkommen im Club und was soll eigentlich die Anleitung zum Hacking …? Ich find die Seiten eigentlich ganz gut, klappt noch nicht alles, aber das wird sicher …
Ach ja, Tobias = Eschenbacher ?? CSU Vorsitzender, Stadtrat und dann solche Kommentare … uih uih …
wenn das ein Treffer ist … redet hier eine scharze Skatrunde??
Schöne Grüße an den freising.de Webmaster, der diesen Blog offensichtlich verfolgt. Die aufgezeigte XSS-Lücke wurde recht flott behoben – wenn auch etwas unkonventionell und unvollständig: Man ersetze im obigen Link das Wort „sitzung“ durch „presse“, und schon geht’s wieder.
Ich will hier aber kein Hase-und-Igel-Wettrennen veranstalten, sondern nur auf die Problematik einer selbst gebastelten Homepage hinweisen. Im übrigen muss meine Nähe zur CSU in Lichtjahren gemessen werden.
Schade, dass anscheinend bzgl. der Freisinger Homepage überhaupt kein Wert auf Suchmaschinenoptimierung gelegt wurde.
Man kann zwar auf dem Standpunkt stehen, dass eine Stadt wie Freising dies nicht nötig hat aber das wäre ja dann doch schon ein wenig ignorant. Wenn man schon bei der Konzeption einer Website an eine suchmaschinengerechte Gestaltung denkt, muss sich dies nicht unbedingt in den Kosten niederschlagen.
Schade, schon wieder mal eine Chance vertan.