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Brandbrief an Telekom-Vorstand schlägt Wellen

Donnerstag, 22. März 2007 von Jan Kurschewitz
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Ein Mitarbeiter der Telekom schreibt sich auf drei Seiten seinen Frust über die Entwicklungen bei der Telekom von der Seele. „Sie schaden uns immens“. Dieses Schreiben schickt er nach Angaben des Spiegels an den Telekom-Vorstandschef René Obermann, an den Festnetz-Chef und den Bereichsvorstand, an die Gewerkschaft – und an „wenige Kollegen“ bei der Deutschen Telekom.

Gleich einem Schneeballsystem macht der Brief die Runde inhouse und gelangt schnell an die Öffentlichkeit. Der Spiegel berichtet, Heise berichtet und wenige Tage später sieht sich René Obermann genötigt, in einem E-Mail an alle Telekom-Mitarbeiter Stellung zu dem Brandbrief zu beziehen.

Erstaunlich, wie schnell sich heutzutage Nachrichten verbreiten – Dank Internet. Viele Konzerne sehen diese unkontrollierte Verbreitung als Bedrohung, können aber nicht mehr zurück.

Eine genaue Beurteilung der Kritikpunkte des Mitarbeiters möchte ich mir hier nicht erlauben, einige Punkte klingen aber vernünftig. Zudem muss der Brief allen Kollegen schon sehr aus der Seele gesprochen haben, um so eine rasante Verbreitung zu finden. Die Antwort von René Obermann enttäuscht mich aber. Das sieht genau nach dem Festhalten an eingeschlagenen Wegen aus, die in dem Mitarbeiterbrief bemängelt werden.

Der allseits bekannte Service der Telekom

Ich kann nur aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Telekom nicht den geforderten Service bringt: Vier Wochen Warten auf einen Telefon‑ plus DSL-Anschluss und ein Hin‑ und Her-Telefonieren mit zig Mitarbeitern in deutschlandweit verteilten Callcentern, bei denen man jeweils bei Null anfangen muss. Und dann plötzlich den richtigen Mann an der Strippe und drei Stunden später ist der Anschluss da.

Auch im Kreis der Geschäftspartner, Kunden und Freunde hört man täglich solche Geschichten. Bodensee-Peter schreibt über den Saftladen, das Kleine Gelbe Haus berichtet von Anschlussgebühren, und Robert Basic über Kontakte mit der Hotline. Und das sind nur drei schnell zusammengesuche Erfahrungsberichte.

Es gibt keine Alternative

Was mich ärgert: Es gibt gar keine Alternative zur Telekom. Man ist leider auch bei den meisten Angeboten der Konkurrenz weiterhin auf das Telekom-Kupferkabel angewiesen – und dann können sich zwei Anbieter die Schuld gegenseitig in die Schuhe schieben.

Wie immer mehr Verbraucher wäre ich eben doch bereit, mehr Geld für zuverlässigen Service, Kompetenz eines Marktführers und durchschaubare Angebote auszugeben. Aber gerade die großen Anbieter (egal ob Telekommunikations-Unternehmen, Möbelhaus oder Elektromarkt) vergessen irgendwann, dass Sie von ihren Kunden leben und ihr Erfolg auf ihren Mitarbeitern aufbaut. Das frustriert. Warum hört uns keiner?

Lehrstück für Virales Marketing

Man kann diese schnelle und nicht vorhersehbare Verbreitung aber auch für Werbezwecke einsetzen, was sich dann virales Marketing oder Guerilla-Marketing nennt: Abseits der klassischen Kommunikations‑ und Werbekanäle mit einer Aktion (positiv, werbend) auf sich aufmerksam machen. In diesem Sinne hat das Guerilla-Marketing-Blog diesen Brandbrief der Telekom bewertet.

Und welche Erfahrung haben Sie mit der Telekom?


Autor-Icon Jan Kurschewitz | Datums-Icon Donnerstag, 22. März 2007, 10:15 Uhr
Kategorie-Icon Allgemein
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